Beim 64 FC Gossau geht es längst um mehr als Fussball und Nachwuchsförderung. Zum fünften Geburtstag zeigte die Hauptversammlung im Freihof, wie aus einer Idee von sechs Freunden ein Verein mit über 350 Mitgliedern geworden ist. Präsident Marco Huber blickt dabei weniger auf Pokale als auf Werte, Gemeinschaft und die Frage: Wie schafft man es, dass jedes Kind seinen (Fussball-)Platz findet?

Ein Hauch Oktoberfest lag am Sonntagmorgen, 27. September, über dem Freihof: Im festlich hergerichteten, vom Freihof gesponserten Festzelt standen Weisswürste und Brezeln bereit, zwischen den Bäumen herrschte eine rustikale und gleichzeitig feierliche Atmosphäre. Passender hätte der Rahmen für die fünfte Hauptversammlung des 64 FC Gossau kaum sein können. Musik, Videos mit Dankesbotschaften von Spielern und zahlreiche Gäste machten aus der Versammlung einmal mehr einen Anlass, der weit über das übliche Abarbeiten von Traktanden hinausging. 101 Mitglieder waren anwesend – bei aktuell 372 Mitgliedern ein eindrückliches Zeichen für die Verbundenheit mit dem Verein. Als besonderer Talkgast war Fabian Frei, Fussballprofi und ehemaliger Nati-Spieler, heute SRF-Fussballexperte sowie Trainer der U16 Mannschaft des FC Wil, geladen – in einem Interview stand er Moderator und Vorstandsmitglied Andy Oberholzer authentisch, witzig und charmant Rede und Antwort – auch zu den unangenehmen Fragen.

«Wir wollten einfach etwas Gutes machen»

Als der 64 FC Gossau am 12. Mai 2021 von sechs Freunden (dem heutigen Vorstand) gegründet wurde, gab es noch keine grosse Vision. «Wir wollten etwas Gutes machen für die Junioren und den Fussball», blickt Marco Huber zurück. Fünf Jahre später sind daraus mehr als 350 Mitglieder geworden – und ein breites Angebot für Junioren zum Einstieg in den Fussball. Stolz ist Huber darauf – zufrieden aber noch lange nicht, wie er sagt.

Seine Zukunftsvision ist dabei erstaunlich bodenständig: Es gehe nicht darum, möglichst gross zu werden. Entscheidend sei vielmehr, dass die gemeinsam erarbeiteten Werte gelebt werden: Freude, Spass, Zusammenhalt, Freundschaft und Leidenschaft – alles im Zeichen des Fussballs. Und vor allem: Jedes Kind, das Fussball spielen möchte, soll die Möglichkeit dazu bekommen.

Breite fördern, Talente entwickeln

Dabei schliesst das eine das andere nicht aus. Der 64 FC Gossau will möglichst vielen Kindern Freude am Fussball vermitteln und gleichzeitig Talente fördern. Nicht alle werden den Sprung in die erste Mannschaft schaffen – und das sei auch nicht das Ziel für alle. Entscheidend sei, dass es für jeden ein «Gefäss» gäbe und niemand das Gefühl bekommt, nicht mehr gebraucht zu werden, so Huber. Das bestätigt auch Claudio Besio, Sportlicher Leiter des FC Gossau: «Es ist wichtig, dass wir breit aufgestellt sind und für jeden ein Spielangebot schaffen können. Nur wenige schaffen es im Fussball ganz nach oben. Aber es braucht jeden einzelnen Spieler für den Verein als Ganzes.»

Dass diese Philosophie Früchte trägt, zeigten an der HV auch Videobotschaften der ehemaligen FCG-Junioren Diego Besio und Joel Ruiz, die heute beim FC St. Gallen und in den Nachwuchs-Nationalteams spielen. Für Huber sind solche Entwicklungen schön, aber keineswegs selbstverständlich: «Wir freuen uns natürlich, dass die beiden es so weit geschafft haben – und immer noch mit uns verbunden sind.» Beide Spieler wollen versuchen, bei der nächsten HV anwesend zu sein.

Sichtbar bleiben und gemeinsam weiterdenken

Auch künftig will der 64 FC Gossau vor allem die Identifikation mit dem eigenen Verein stärken und die Visibilität noch weiter ausbauen. Neue Projekte, Merchandise, Traineranlässe und Ausbildungsangebote sollen den Verein vom jüngsten Junior bis zu den älteren Mitgliedern erlebbar machen und natürlich auch für eine qualitativ hochwertige Ausbildung im Fussball stehen. Als nächstes steht unter anderem ein Rucksack für alle Juniorinnen und Junioren auf dem Programm, dazu der vierte Trainerday: «Wir werden den Rucksack wahrscheinlich bis Dezember an alle verteilen können. Der Trainerday 4.0 ist bereits geplant und wird mit interessanten weiterführenden Themen aus dem letzten Jahr umgesetzt.»

Dass die erfolgreiche Entwicklung vom 64 FC Gossau wahrgenommen wird, unterstrich Stadtpräsident Wolfgang Giella in seiner Ansprache: «Der Mitgliederzuwachs ist klar eurer Arbeit zu verdanken – und auch, dass wir so viele Junioren haben, die heute für den FC Gossau Fussball spielen können.»

Auch FC-Gossau-Präsident Carlo Troisi fand deutliche Worte: «Wir sind mittlerweile ein Riesenunternehmen geworden. Ich habe es mal ausgerechnet: Wenn man alle Ehrenämter in Stunden zahlen würde, kämen wir auf rund 1,2 Millionen.» Rund 700 Fussballerinnen und Fussballer, 60 Trainer und 32 Funktionäre gehören inzwischen zum Gesamtverein.

Finanzen: Gesund gewachsen, mit Blick nach vorn

Auch finanziell steht der 64 FC Gossau auf einer soliden Basis. Die Jahresrechnung 2025/26 schloss bei einem Gesamtaufwand und -ertrag von 63'742.58 Franken mit einem Gewinn von 9'724.66 Franken ab und wurde von den Mitgliedern einstimmig genehmigt. Besonders erfreulich entwickelten sich die Mitgliederbeiträge mit 43'865.83 Franken sowie die ausserordentlichen Sponsorenbeiträge mit 18'200 Franken – beide Positionen lagen über dem budgetierten Betrag. Gleichzeitig floss mit 38'489.60 Franken ein grosser Teil der Ausgaben direkt in Investitionen für Juniorenmaterial.

Für das kommende Vereinsjahr plant der 64 FC Gossau erneut bewusst Investitionen: Das Budget 2026/27 sieht Einnahmen von 40'500 Franken und Ausgaben von 61'900 Franken vor, was zu einem budgetierten Verlust von 21'400 Franken führt. Vorgesehen sind unter anderem 15'000 Franken für Juniorenmaterial, 8'000 Franken für Nachbestellungen von Vereinsmaterial sowie 5'000 Franken für eine einmalige Investition in Vereins-Hoodies. Auch für Trainerausbildung, Vereinsanlässe und einen Zukunftsfonds sind Mittel eingeplant. Die Zahlen zeigen damit auch finanziell, was Marco Huber im Interview betont: Das erwirtschaftete Geld soll nicht einfach liegen bleiben, sondern möglichst direkt in die Nachwuchsarbeit und die Weiterentwicklung des Vereins fliessen.

Fünf Jahre – und kein bisschen müde

Doch worin liegt jetzt genau das Erfolgsrezept des 64 FC Gossau: «Vielleicht genau darin, dass wir von Beginn an ohne konkrete Vision gestartet sind», sagt Präsident Huber und lacht. «Wir hatten Angst, dass wir überhaupt weitere Mitglieder finden.» Heute sind es über 350 – eine Zahl, die Huber mit Stolz erfüllt. «Wir können nicht genau sagen, was wir in 3 Jahren machen müssen oder erreichen wollen. Ausser, dass wir die Junioren fördern und möglichst vielen das Spielen ermöglichen wollen.»

Vorstand bleibt bestehen

Der Verein hat also keinen starren Fünfjahresplan. Huber spricht vielmehr von Ideen, die im Vorstand innerhalb eines Vereinsjahres entstehen, gemeinsam weiterentwickelt und dank der unterschiedlichen Kompetenzen rasch umgesetzt werden. «Was wir bisher geschafft haben, hätten wir nicht zu träumen gewagt», sagt er sinngemäss. Und genau das scheint Antrieb genug für die nächsten fünf Jahre zu sein: Denn auch an der 5. HV wurde der gesamte Vorstand unter grossem Applaus einstimmig wiedergewählt.

Eine bewegte 5. Hauptversammlung mit Experten, Junioren, Begegnungen, Weisswurst und Brezeln – und vor allem mit viel Herzblut – ist Geschichte. Sie war kurz gesagt: zünftig, professionell und ausgesprochen kurzweilig.