Wer das neue Hallenbad im Buechenwald betritt, merkt sofort: Hier ist vieles anders als früher. Helle Blautöne, Holzdecken, grosse Fenster und ein modernes, offenes Raumkonzept prägen die Anlage. Vom Bistro aus reicht der Blick direkt auf die verschiedenen Becken. Es wirkt hell, freundlich und beinahe nordisch – und vor allem neu.
Am Montag, 21. September, wurde das Hallenbad nach der grossen Eröffnungsfeier vom Wochenende erstmals für den regulären Badebetrieb geöffnet. Bereits ab 9 Uhr kamen die ersten Gäste. Bis 18.30 Uhr waren es schon 270 Personen. «Und der Vereinsbetrieb geht jetzt erst los», sagt Bademeister Daniel Blöchlinger.
Ein langersehnter Neustart
Für Blöchlinger ist der erste Betriebstag mehr als nur die Eröffnung eines neuen Arbeitsplatzes. Seit Jahren begleitet er die Geschichte des Projekts. Bereits bei der Grundsatzabstimmung 2013 war er dabei. «Nach all den Jahren des Wartens ist dieses Resultat die Belohnung», sagt er.
Das neue Hallenbad ersetzt die alte Anlage in der Rosenau, die über Jahre hinweg genutzt wurde und mittlerweile sichtlich in die Jahre gekommen war. Mit dem Neubau stehen nun sechs Schwimmbahnen, ein Nichtschwimmerbecken, ein Planschbecken und eine Rutsche zur Verfügung.
Das Nichtschwimmerbecken verfügt über einen verstellbaren Hubboden, der je nach Bedarf angepasst werden kann. Entscheidend dafür seien die Anforderungen der Anmietenden, so Blöchlinger. Auch die bisherigen Einschränkungen des alten Bades sollen der Vergangenheit angehören. Franziska Ochsner vom Einlass betont: «Die Schwimmzeiten sind für die gesamte Bevölkerung gleich.» In der Rosenau waren die Möglichkeiten wegen des begrenzten Platz- und Bahnangebots teilweise eingeschränkt. Nun soll das Bad allen Bevölkerungsgruppen zu den gesamten Öffnungszeiten gleichermassen offenstehen.
Barrierefrei und auf Inklusion ausgerichtet
Bei der Gestaltung des neuen Hallenbads wurde auch auf die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen geachtet. Die Anlage ist auf Inklusion ausgerichtet und verfügt über verschiedene Einrichtungen, die den Zugang und die Nutzung erleichtern. So gibt es einen Lift zu den Gruppenumkleiden sowie einen Beckenlift. Zudem steht eine behindertengerechte Umkleidekabine zur Verfügung, in der sich Personen auch im Liegen umziehen können. Damit beschränkt sich die Zugänglichkeit nicht nur auf den eigentlichen Badebereich, sondern wird auch in den Umkleide- und Zugangsbereichen berücksichtigt. Das Hallenbad soll damit unterschiedlichen Nutzergruppen offenstehen – von Familien und Freizeitschwimmern bis zu Sportlern und Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Familien entdecken das neue Bad
Besonders Familien zeigen sich am ersten Betriebstag begeistert. Andreas Züger aus Necker wollte die Anlage zunächst selbst testen, bevor er mit seinen drei Kindern im Alter von drei, sechs und acht Jahren zum Schwimmen kommt. Sein Fazit fällt deutlich aus: «Gossau hat überzeugt – das passt alles.» Besonders angetan ist er vom Nichtschwimmerbecken mit Hubboden und von der Rutsche. Auch eine vierköpfige Familie aus Niederwil lobt die Anlage: «Wir finden alles super schön, die Kinder hatten Freude an der Rutsche – die ist klasse. Wir kommen sicher und gerne wieder.»
Damit spricht sie einen Punkt an, der sich durch die Rückmeldungen vieler Besucher zieht: Das neue Hallenbad richtet sich nicht nur an Sportschwimmer, sondern auch an Familien und Freizeitschwimmer. Auch ehemalige Rosenau-Besucher entdecken das neue Angebot für sich. Eine Mutter mit einem 13 Monate alten Sohn bezeichnet das Bad als «sehr schön und modern» und würde es ebenfalls anderen Familien empfehlen.
Noch nicht alles läuft rund
Bei aller Begeisterung zeigen sich am ersten Tag auch einige Schwachstellen. Mehrfach kritisieren Gäste die Grösse der Garderobenschränke. «Die Spinde sind sehr schmal», sagt eine Besucherin - und bleibt damit nicht allein. Es passe kaum ein Standardrucksack rein. Auch fehlende Haken für Handtücher in der Duschenzone sowie nicht vorhandene Kleiderbügel werden bemängelt.
Liz Rusch, die das Bad für Leistungsschwimmen, Ausdauertraining und Aquajogging nutzt, erlebt den ersten Besuch teilweise als gewöhnungsbedürftig. «Allgemein waren die Gäste zunächst etwas verunsichert und orientierungslos, man muss erst alles finden - ist ja alles neu und anders.» Sie sieht die Kritikpunkte jedoch als lösbar. «Aber das sind Kinderkrankheiten, ich bin mir sicher, die werden noch verbessert.» Positiv hebt sie die sechs Bahnen hervor. Dadurch könne sie «immer gut und lang irgendwo schwimmen und meine Bahnen ziehen».
Auch beim Einlass braucht es am ersten Tag teilweise mehr Zeit. Die Abos müssen neu auf Karten übertragen und mit Fotos versehen werden. Ochsner bittet deshalb um Verständnis: «Am ersten Tag dauert natürlich alles noch ein bisschen länger.» Gleichzeitig sei das Personal durch den Sommerbetrieb im Freibad bereits mit dem neuen digitalen System vertraut.
Technik im Hintergrund
Hinter dem modernen Erscheinungsbild steckt eine umfangreiche technische Ausstattung. Blöchlinger spricht von «state of the art». Die Wasserqualität wird digital überwacht, der Wasserdurchfluss kann an die jeweilige Belastung angepasst werden. Das soll sowohl den Chemikalienverbrauch als auch den Energiebedarf reduzieren und damit die Betriebskosten spürbar senken.
Auch die Sicherheit wurde technisch aufgerüstet. Über- und Unterwasserdetektoren überwachen die Becken und können bei ausbleibenden Schwimmbewegungen Alarm auslösen. Die Rutsche wird ebenfalls überwacht und verfügt über Lichtschranken sowie ein Ampelsystem. Für Blöchlinger ist diese Verbindung von moderner Technik und Badebetrieb ein wichtiger Fortschritt. «Hier ist alles neu, die Technik ist state of the art, alles super modern und dadurch sicher und effizient.»
Ein Ort für die Region
Das neue Hallenbad ist Teil des ersten Moduls der Raiffeisen Sportwelt Gossau. Dieses umfasst neben dem Hallenbad unter anderem eine Tribüne mit Aussichtsturm, viereinhalb Fussballfelder sowie Leichtathletik- und Begegnungsräume. Die Anlage soll als Sport- und Begegnungsort für die Menschen aus Gossau und der Region dienen. Am Eröffnungswochenende konnten bereits mehr als 4000 Menschen die Anlage besichtigen. Am ersten regulären Betriebstag folgten 270 Badegäste – noch bevor der Vereinsbetrieb richtig begonnen hatte. Für Blöchlinger ist damit ein langer Weg zu Ende gegangen. «Heute kann ich sagen: Wir haben einen erfolgreichen ersten Betriebstag ohne Zwischenfälle hinter uns. Und ich freue mich auf jeden weiteren Tag, an dem ich hier arbeiten darf.»


