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title: "Was beschäftigte den Kanton vor 75 Jahren im August 1951?"
author: "Medienservice RT"
published: 2026-08-16
region: "RetroDigital Kanton SG"
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publisher: RegioTicker
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---# Was beschäftigte den Kanton vor 75 Jahren im August 1951?

**Luftschutzräume, eine gesperrte Martinstobelbrücke, strenge Regeln für Ausverkäufe und eine ungewöhnliche Stellenausschreibung: Das St.Galler Amtsblatt vom 24. August 1951 bietet einen faszinierenden Einblick in den damaligen Alltag. Dies mit überraschenden thematischen Parallelen zur Gegenwart.**

Elf Seiten umfasst die Ausgabe Nr. 34 des St.Galler Amtsblatts vom 24. August 1951. Darin finden sich Erlasse, Regierungsbeschlüsse, Bauprojekte, Stellenangebote, Konkurse und Inserate. Zusammen ergeben sie ein überraschend lebendiges Bild des Kantons vor 75 Jahren.

### Neue Luftschutzräume im Kalten Krieg

Den Auftakt bildet eine Verordnung über den baulichen Luftschutz. Der Zweite Weltkrieg war erst sechs Jahre vorbei, gleichzeitig hatte der Kalte Krieg begonnen. Neue Gebäude sollten deshalb mit Schutzräumen, Notausstiegen und Mauerdurchbrüchen ausgestattet werden.
Auch Fluchtwege und eine Löschwasserversorgung, die unabhängig vom Hydrantennetz funktionierte, waren vorgesehen. Der Kanton übernahm zehn Prozent der entsprechenden Mehrkosten. Weitere zehn Prozent mussten die politischen Gemeinden tragen.
Die Gemeinden hatten zudem eine Amtsstelle zu bestimmen, welche Bauherren beriet, Projekte auf Fassungsvermögen und Festigkeit prüfte und die Ausführung kontrollierte.

### Martinstobelbrücke vollständig gesperrt

Sehr konkrete Auswirkungen auf den Alltag hatte die Verstärkung der Martinstobelbrücke. Vom 27. August bis 15. September 1951 wurde sie «gänzlich gesperrt».
Der Verkehr von St.Gallen nach Eggersriet und Heiden wurde über Speicherschwendi umgeleitet, jener nach Untereggen über Goldach. Auch die Postautokurse mussten ihre Route ändern. Die Strecke zwischen der Martinsbrücke und Eggersriet wurde während der Bauarbeiten überhaupt nicht bedient.
Gleichzeitig lagen in Grabs Pläne für die Korrektion der Staatsstrasse Werdenberg–Rathaus/Buchs öffentlich auf. In Goldach war ein neuer Gemeindeweg zwischen St.Gallerstrasse und Seestrasse in der Sonnenhalde geplant.

### Totalausverkauf mit jahrelanger Sperrfrist

Wer 1951 wegen einer Geschäftsaufgabe einen Totalausverkauf durchführen wollte, musste mit einschneidenden Auflagen rechnen.
Eine Möbelhandlung in St.Gallen durfte ihre Waren abverkaufen, erhielt aber gleichzeitig ein Verbot, bis Dezember 1956 irgendwo in der Schweiz wieder ein gleichartiges Geschäft zu eröffnen. Ein Kaufhaus in Bütschwil durfte nach seinem Totalausverkauf bis März 1957 kein entsprechendes Geschäft mehr aufnehmen.
Die Vorschriften sollten verhindern, dass mit einer angeblichen Geschäftsaufgabe lediglich ein verkaufsfördernder Ausverkauf inszeniert wurde.

### Lehrer und Sekretär im Gefängnis

Die kantonale Strafanstalt St.Gallen suchte einen «Lehrer-Sekretär». Verlangt wurden ein Lehrerpatent, Bürokenntnisse und die «Eignung zur Mitarbeit in der Gefangenenerziehung». (Bild)
Zum Aufgabenbereich gehörten Stenografie, Maschinenschreiben, Registratur, Korrespondenz sowie das Redigieren von Berichten und Gutachten.
Der Jahreslohn lag zwischen 6’750 und 9’750 Franken, zuzüglich zehn Prozent Teuerungszulage. Bewerbungen mussten handschriftlich und unter Beilage einer Fotografie eingereicht werden. Eine persönliche Vorsprache war nur auf Einladung erwünscht.

### Grenzen, Wälder und Ladenschluss

Auch kleinere Regierungsentscheide wurden im Amtsblatt veröffentlicht. So genehmigte der Regierungsrat eine Regulierung der Gemeindegrenze zwischen Wattwil und Krinau im Gebiet Schaufelberg.
Die Gemeinde Amden erhielt die Zustimmung zu einer Verordnung über einen einheitlichen Ladenschluss. Das bisherige Waldrevier Ebnat-Kappel wurde in zwei Reviere aufgeteilt. Neue Wirtschaftspläne gab es unter anderem für Waldungen in Schänis, Flums, Sargans und Niederbüren.

### Pflastersteine günstig abzugeben

Zum Schluss findet sich eine Meldung, die heute problemlos auf einer Online-Verkaufsplattform stehen könnte: Von einer Baustelle an der Langgasse in St.Gallen waren «zu sehr günstigen Preisen» gut erhaltene Grosspflastersteine abzugeben. Empfohlen wurden sie zur Abgrenzung von Rasenflächen, für Wasserschalen und zur Pflästerung von Vorplätzen. Auskunft erteilte das städtische Tiefbauamt unter der Telefonnummer 3 13 13.
Daneben warben St.Galler und Toggenburger Unternehmen für Strassenbeläge, Tiefbohrungen, Grundwasserfassungen, Geschäftsbücher, elektrische Installationen, Malerarbeiten und die Sanierung abgelaufener Treppen.

### Eine Fundgrube für die lokale Geschichte

Das Amtsblatt zeigt, wie vielfältig amtliche Publikationen als historische Quelle sind. Zwischen Verordnungen und Bekanntmachungen finden sich Spuren aus vielen Gemeinden: Bauvorhaben, Strassen, Waldgebiete, Unternehmen, Berufe und Verkehrsverbindungen.
Solche historischen Ausgaben können auf der Plattform RetroDigital des Kantons St.Gallen eingesehen werden. Dort stehen Amtsblätter, Geschäftsberichte, Abstimmungsunterlagen, Staatskalender, Schulblätter und weitere kantonale Publikationen aus zahlreichen Jahrzehnten zur Verfügung.

*Autor: Jürg Grau.*
*Quelle: Amtsblatt des Kantons St.Gallen vom 24. August 1951.*
*Sammlung: RetroDigital Kanton St.Gallen.*

[Zum Originaldokument: Amtsblatt des Kantons St.Gallen vom 24. August 1951](https://www.retrodigital.sg.ch/library/Amtsblatt_1951_08_24?page=617)

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